„Einmal die Mandeln raus, bitte“ – Mein OP Tagebuch

Mandel OP Tagebuch

Auf Instagram und auch hier auf dem Blog ist es in letzter Zeit etwas ruhiger gewesen, da Anfang November meine Mandeln operativ entfernt wurden. Schon seit meiner Kindheit hatte ich mehrmals im Jahr Mandelentzündungen und war deshalb Anfang des Jahres zuletzt im Krankenhaus. Das Fazit der Ärzte: Die Mandeln müssen asap raus.

Meinen ursprünglichen OP-Termin musste ich aufgrund der ersten Corona-Welle absagen und wurde nun am 02. November operiert. Weil mir die Tagebücher meiner Leidensgenossen bei der mentalen Vorbereitung sehr halfen, habe ich meinen Verlauf nach der OP auch aufgeschrieben – in der Hoffnung, dass es dem ein oder anderem, der die OP noch vor sich hat, auch hilft und ein wenig die Angst nehmen kann. 

Tag der OP: Ich bin mächtig aufgeregt 

Ich beziehe in der Früh um 9 Uhr mein Zimmer und räume meine Klamotten in den Schrank ein, solange ich mich noch bücken darf. Das OP-Hemd angezogen kommt auch schon eine Schwester und gibt mir eine „Wurschtigkeits-Tablette“. Aufstehen darf ich nun nicht mehr. Bereits kurze Zeit später merke ich, wie mir bei der kleinsten Kopfbewegung schwindelig wird. Ich lese noch ein bisschen in meinem Buch und werde dann in den OP gefahren. So ganz ohne Brille erkenne ich nur noch die Umrisse der OP-Leuchten und Anästhesisten, was vielleicht gar nicht schlecht ist. Ich bin nämlich mächtig aufgeregt. 

Als ich wieder zu mir komme, liege ich schon drei Stunden im Aufwachraum. Meine Mama hat in der Zwischenzeit schon vier Mal auf Station angerufen und nach mir gefragt. Das ist wohl nicht unüblich. Manche sind nach 1 Stunde wieder ansprechbar, andere brauchen länger. Beim Schlucken fühle ich, dass etwas anders ist, Schmerzen habe ich aber keine.

Tag 1 – 3 nach der OP: Das ist ja alles gar nicht so schlimm wie gedacht 

Das soll es gewesen sein, denke ich mir und warum habe ich das nicht schon früher gemacht? Ich kühle meinen Hals den ganzen Tag mit Kaltkompressen und nehme fleißig Schmerzmittel. Der Schmerz ist auszuhalten. Nachts kann ich sogar zwischendurch schlafen und ein paar Bissen vom labbrigen Toastbroat und weichgekochten Nudeln mit Brokkoli bekomme ich auch schon runter. Da tut mir meine Zunge fast mehr weh als der Hals, die von den Klemmen, die während der OP verwendet werden, sehr doll bitzelt und beim Sprechen schmerzhaft an die Zähne reibt. Auch die Stimme hört sich seltsam an, ganz dumpf. Als ob ein Ballon in meinem Hals steckt.

Schmerzskala: 4 / 10 

Tag 4 – 6 nach der OP: Die Schmerzen nehmen zu 

Ich werde an Tag 4 aus dem Krankenhaus entlassen. Meine Stimmung kippt. Die Schmerzmittel, die ich bekomme (Talvosilen Forte und Novalgin Tropfen) reichen nicht aus. Wir nehmen noch Ibu 600 dazu. Die Nächte werden immer kürzer, da ich spätestens alle zwei Stunden von höllischen Schmerzen aufwache. Wenn es hochkommt schlafe ich 4 Stunden insgesamt. Die Kalt-Kompressen betäuben den Schmerz zumindest kurzweilig und ich bin wahnsinnig froh, dass Nicholas so lieb ist und sie mir aus dem Keller holt – auch wenn es 4 Uhr in der Früh ist. Mein Kiefer geht nicht sehr weit auf. Eine Kieferklemme? 

Schmerzskala: 7/ 10 

Tag 7 – 10 nach der OP: Sind das Reiszwecken, die mir da beim Schlucken in den Hals gerammt werden?

Ich muss leider wieder ins Krankenhaus. Die Tage und vor allem Nächte werden gefühlt immer schlimmer und ich möchte, dass sich die Ärzte meinen Hals anschauen. Beim Blutabnehmen fällt auf, dass mein Entzündungswert bei 26 liegt. Normal sind 5. Auch ein Grund, warum ich meinen Kiefer nicht richtig öffnen kann. Also werde ich wieder stationär aufgenommen und an den Tropf gehängt. Vom Antibiotika Ampicillin / Sulbactam Kabi bekomme ich eine allergische Reaktion. Ganz viele rote Pusteln im Gesicht und auf dem Dekolletée. Als Gegenmittel schlucke ich eine Fenistil-Tablette. Wir steigen auf Kortison um, damit die Schwellung bzw. Entzündung zurückgeht. Beim Schlucken von Essen oder meiner eigenen Spucke habe ich das Gefühl, dass mir jemand Reiszwecken in den Hals rammt. Der Schmerz zieht hoch bis in die Ohren und ich glaube, dass sie jeden Moment platzen. 

Ich traue mich zum ersten Mal in meinen Hals reinzuschauen. Holy fuck! Mein Rachen sieht aus wie ein Schlachtfeld. Links und rechts habe ich zwei golfballgroße Mondkrater im Mund, die gräulich belegt sind. Nicholas sagt es erinnert ein bisschen an ein schimmeliges Ei 😀 Schnell wieder zumachen, den Mund. 

Schmerzskala: 9 / 10 

Tag 10 – 12 nach der OP: Lösen sich da etwa die Wundbeläge?

Mittlerweile wurde ich wieder entlassen. Mein Entzündungswert liegt nun bei 8. Ich soll zuhause mit der Schmerztherapie fortfahren und bekomme kein Kortison mehr. Die Schmerzen sind während des Tages erträglich. Ich nehme morgens, mittags und abends nach dem Essen eine Tablette Talvosilen Forte. Die Nächte sind dagegen noch immer furchtbar. Obwohl ich schnell einschlafe, wache ich alle 2 – 3 Stunden mit wahnsinnigen Schmerzen wieder auf. Mit Novalgin Tropfen und einer halben Ibu 600 komme ich mit Ach und Krach durch die Nacht. Auch sehr unschön: Die Wundbeläge riechen nicht besonders angenehm, erzählt mir Nicholas haha. Er öffnet nachts alle paar Stunden das Fenster und schmiert sich Tigerbalm unter die Nase.

Beim Essen lösen sich so langsam die Wundbeläge. Das ist ein ganz ekliges Gefühl, aber ich zwinge mich dazu, größere Bissen zu schlucken, damit sie ganz abgeht. Dazu trinke ich sehr sehr viel Wasser, damit mein Hals die ganze Zeit über schön feucht ist und es zu keiner Nachblutung kommt. 

Erfolgserlebnis: An Tag 11 esse ich zum ersten Mal zum Frühstück zwei Toast in unter 1 Stunde, juhuu!

Schmerzskala: 5 / 10 

Tag 13 – 18 nach der OP: So langsam wird es besser

Meine Stimme hört sich noch immer sehr seltsam an und es fällt mir schwer, länger zu sprechen. Nach ein paar Sätzen ist sie ganz kratzig. Ich lese nach, dass das wohl nicht selten ist, dass die Stimmbänder bei der OP auch gereizt werden und deshalb eine Weile brauchen, um sich zu erholen. Am Tag ist der Schmerz gut auszuhalten und ab Tag 15 fange ich damit an, meine Schmerzmittel zu reduzieren. Ich nehme nur noch 3x Talvosilen Forte und lasse das Novalgin und die Ibu nachts weg. Zwar wache ich ab und an noch mit Schmerzen auf, kann aber auch ohne Schmerzmittel wieder einschlafen. An Tag 18 nehme ich nur noch morgens eine Schmerztablette und das Essen funktioniert auch schon so viel besser als noch vor ein paar Tagen. Erleichterung.

Schmerzskala: 3 / 10

Tag 19 nach der OP: Fazit

Tag 19 ist mein erster Tag ohne Schmerzmittel und damit endet auch mein Tagebuch. Ich fühle mich noch ein wenig schlapp, bin aber heilfroh, dass ich es nun hinter mir habe. Es war definitiv nicht schön, aber dafür, dass ich nun nie wieder eine Mandelentzündung oder einen Abszess haben werde, habe ich die Schmerzen gerne in Kauf genommen. Ich hoffe, ich kann dem einen oder anderen mit dem Artikel ein bisschen Mut machen bzw. einen Wegweiser geben, was auf euch zukommt. Und falls ihr Fragen habt, schreibt mir gerne.

Love,

5 Kommentare zu „„Einmal die Mandeln raus, bitte“ – Mein OP Tagebuch

  1. Viele treibt die Sorge vor der Narkose um. Wie ging es dir damit? Wie lief das Vorbereitungsgespräch mit der Anästhesie? Welche Variante der Narkose hast du bekommen? Also total-intravenös oder Spritze zum Einschlafen und dann Unterhaltung durch Gas?

    1. Das Vorgespräch lief gut, die Anästhesistin war sehr nett und hat mir ein gutes Gefühl gegeben. Ich hab vor der Narkose sowas bekommen, was mich ein bisschen entspannt und müde gemacht hat. Im OP haben sie mir dann intravenös eine Spritze zum Einschlafen gegeben. Das verlief alles super 🙂

      1. Hallo Laura,

        Danke für die Antworten. Allerdings bin ich mir nach dem Durchlesen nicht mehr so sicher, ob meine Fragen richtig angekommen sind, zugegebenerweise waren sie auch ziemlich knapp formuliert.

        Eine Mandel-OP ist ja eine OP, die vor allem in jungen Jahren durchgeführt wird und für viele ist es daher auch die erste Vollnarkose. Entsprechend verunsichert oder gar verängstigt sind die Patienten und Patientinnen dann. Da das Anästhesiegespräch ja erst kurz vor der OP geführt wird und der Termin ja schon länger feststeht, bei dir zog sich das ja über mehrere Monate hinweg, ist da ausreichend Zeit, sich Gedanken zu machen und sich auch verrückt zu machen. Wie hast du das in dieser Zeit in Bezug auf die Narkose erlebt?

        Oder was würdest du jemanden raten, der sich in der Zeit vor der Mandel-OP vor allem vor der Narkose fürchtet?

        Zumindest hast du erzählt, dass du im OP vor der Narkoseeinleitung auch noch ziemlich aufgeregt warst, und das trotz Beruhigungsmittel.

        Hast du die Narkosespritze selber noch mitbekommen und in Erinnerung oder weißt du das, weil sie dir das gesagt haben?

        Auf alle Fälle noch ein paar Erläuterungen zum allgemeinen Verständnis, wie eine Narkose wirkt:

        Solange das Mittel gespritzt wird, steigt die Konzentration im Blut stetig an und verteilt sich dann im ganzen Körper, insbesondere auch im Gehirn, weil das gut durchblutet ist. Wenn nichts mehr nachgespritzt wird, versickert immer mehr des Narkosemittels im Körper, nicht nur im Gehirn, auch in den Muskeln und Organen und wird auch von der Leber und der Niere abgebaut und dadurch sinkt die Konzentration im Blut wieder.

        Zur Frage nach der Narkosevariante sollte ich wohl ein paar Hintergrundinformationen vorausschicken, weil ich nicht weiß, inwieweit die Anästhesistin im Vorbereitungsgespräch darauf eingegangen ist.

        Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Techniken, eine Narkose nach der Einleitung aufrechtzuerhalten.

        Zum einen die total-intravenöse Anästhesie, die sogenannte TIVA, wobei alle Narkosemittel über die Venen gegeben werden, das umfasst das Schlafmittel, meistens Propofol und ein Schmerzmittel, ein Opioid und dann auch ggf. ein Muskelrelaxans. Es wird also dauernd was nachgespritzt.

        Zum anderen kann mit der Atemluft Narkosegas verabreicht werden. Das Narkosegas atmest du ein, es geht ins Blut über und von da in den Körper und ins Gehirn und wenn es abgedreht wird, atmest du es wieder aus. Es wird also fast nichts von der Leber abgebaut.
        Die Gasmethode ist transparenter, weil die Narkosegaskonzentration in der Ausatemluft gemessen und angezeigt werden kann. Das ist wie beim Alkomaten der Polizei. So können sie dauernd sehen, wieviel du intus hast.

        Und da wollte ich gern wissen, ob du weißt, welche Methode sie bei dir angewandt haben.

        Also ist jetzt etwas länger geworden, geht mir aber auch darum, dass etwas mehr Wissen über Narkose unter die Leute kommt und dadurch auch weniger Ängste herrschen. Würde mich freuen, wenn du das freischalten und noch ein paar Antworten dazu fügen kannst, darfst auch gerne weitere Fragen stellen, wenn du das Thema interessant findest.

Kommentar verfassen